Tetracain - Pharmakologie
CliniPharm
Wirkstoffdaten
 

Eigenschaften

Tetracain ist ein wirksames Oberflächenanästhetikum (Khursheed 2001) und liegt in Membranen in der geladenen Form vor (Narahashi 1969; Elferink 1977). Die geladene Alkylamingruppe befindet sich im polaren Teil der Protein- oder Lipidphase der Membran, während sich der aromatische Teil mit der aliphatischen Kette in der apolaren Region der entsprechenden Phase befindet (Elferink 1977).
 

Lokalanästhetische Potenz

Der Zusatz einer Butylgruppe am lipophilen Ende von Procain führt zu Tetracain, welches 8-mal potenter als Procain (=1) ist (Skarda 2007a).
 
Bei Schafen wurden hyperbare Tetracain- und Bupivacainlösungen (0,375% und 0,75%) subarachnoidal appliziert und die Wirkung verglichen. Tetracain hatte, verglichen mit Bupivacain, die höhere Inzidenz eine motorische Blockade der Hinterbeine zu verursachen. Die mit Tetracain induzierte motorische Blockade dauerte länger, und auch nach dem vollständigen Abklingen der Blockade konnten die Schafe nicht auf den Hinterbeinen stehen. Diese Lähmung könnte durch eine Blockade von Fasern, welche die Propiozeption vermitteln, verursacht worden sein (Adams 1977).
 

Kalziumkanal

In-vitro blockiert Tetracain in Konzentrationen, welche für Spinalanästhesien verwendet werden, Kalziumkanäle von Nervenzellen. Die Hemmung des Kalziumeinstroms durch die Blockierung von spannungsgesteuerten Kanälen könnte ein Teil des Mechanismus der Spinalanästhesie sein (Sugiyama 1994).
 

Histaminfreisetzung

Tetracain beeinflusst in-vitro die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen von Ratten dosisabhängig: bei einer Konzentration unter 1 mM wird die Freisetzung gehemmt, darüber jedoch potenziert (Kazimierczak 1976).
 

Gluconeogenese / Glykogenolyse

Tetracain kann die hormonelle Stimulation der Glukoneogenese und Glykogenolyse blockieren (Friedmann 1970). Bei Ratten blockiert eine liposomale Tetracainlösung 50% die hyperglykämische Antwort auf eine Adrenalinverabreichung. Bei diabetischen Tieren reduziert liposomales Tetracain vorübergehend, aber signifikant, den Blutglukosespiegel (Kraus-Friedmann 1984).
 

Lipidmultilayer

Die Wirkung verschiedener Lokalanästhetika auf die molekulare Ordnung von Multilayern, gebildet aus Lipiden der weissen Substanz von Rinderhirn, wurde in-vitro untersucht. In Multilayern, die aus Lipiden mit reduziertem Cholesteringehalt bestanden, begünstigten Lokalanästhetika die Bildung von geordneten multilamellaren Reihen und erhöhten deren thermische Stabilität. Die Anordnung wurde bei pH-Werten, welche um oder über dem pKa-Wert der Lokalanästhetika lagen, gestört oder zerstört. Bei einer konstanten Konzentration eines Lokalanästhetikums erhöht sich dieser Effekt mit steigendem pH-Wert der Lösung. Abhängig von der Lipidzusammensetzung, der Konzentration des Lokalanästhetikums und des pH-Wertes, können Lokalanästhetika somit einen Lipidbilayer entweder stabilisieren oder zerstören (Butler 1973a).
 
Diese Wirkung kann nicht alleine aufgrund der ungeladenen Form zustande kommen, da 1 mM Tetracain bei einem pH von 8,4 (Konzentration an ungeladenen Molekülen ungefähr 0,3 mM) keine Wirkung auf die Ordnung der Lipidschicht besitzt. Hingegen hat 5 mM Tetracain bei einem pH von 5,2 (Konzentration der ungeladenen Moleküle ungefähr 0,005 mM) einen ausgeprägten Effekt auf die Ordnung der Lipidschicht (Butler 1973a).
 
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